Aaken, Ernst van (deutscher Sportarzt und Trainer)

von Reiner Semmel

Der deutsche Sportarzt und Trainer Ernst van Aaken wurde am 16. Mai 1910 in Emmerich am Rhein geboren. In seiner Jugend war er selbst Sportler und konnte vor allem im Stabhochsprung und Gewichtheben einige Erfolge verzeichnen. Nach dem zweiten Weltkrieg ließ er sich als Sportarzt in Waldniel in Nordrhein-Westfalen nieder, wo er auch am 2. April 1984 verstarb. Dort verdiente van Aaken sich den Spitznamen "Laufdoktor", da er die positiven Effekte eines täglichen Ausdauertrainings für jedermann proklamierte. Mit dieser Forderung gilt er als Pionier im Bereich des Langstreckenlaufs, weil er erstmals Frauen bei einem Marathon starten ließ und das bis Mitte der 60er Jahre weit verbreitete Intervalltraining der Freiburger Schule mit seiner reinen Ausdauermethode bekämpfte. Nach und nach führte sein Engagement dazu, dass längere Laufstrecken im Frauensport eingeführt wurden. Diese Entwicklung gipfelte darin, dass 1984 der Frauen-Marathon zu einer olympischen Disziplin und in Los Angeles erstmals durchgeführt wurde. Noch 10 Jahre davor war die Meinung weit verbreitet, dass Frauen solch lange Strecken nicht ohne gesundheitliche Schäden bewältigen könnten.

Ausdauertraining nach Ernst van Aaken

Ziel der Methode nach Aaken, die auch als "Waldnieler Ausdauertraining" bekannt ist, ist die optimale Leistung bei einer maximalen Sauerstoffaufnahme bei der die Sauerstoffschuld nicht anwächst. Dies wird bei einem Training bei langsamem Tempo erreicht. Die wichtigsten Merkmale dieser Methode sind: viel laufen (10 bis 80 Kilometer), ein schonendes Tempo (Puls liegt etwa bei 130 pro Minute), häufige Pausen bis zur vollständigen Erholung und ein oder zwei Tempoläufe pro Training. Einfach umsetzen lässt sich Ausdauertraining nach van Aaken mit dem Merksatz "Laufen ohne Schnaufen". Wer sich beim Joggen oder einem anderen Ausdauersport noch gut nebenbei unterhalten kann, hat das richtige Tempo gewählt. Vorteile dieser Ausdauermethode sind unter anderem die Erhöhung der persönlichen Ausdauerleistung und die Verringerung des Körpergewichts. Sie setzt vor allem auf eine Stärkung der Grundlagenausdauer, von der nicht nur professionelle Sportler, sondern vor allem auch Freizeitsportler oder sogar eher unsportliche Läufer profitieren. Nach seiner Methode trainieren heute ein Großteil der Langstreckenläufer und auch viele Athleten in anderen Ausdauerdisziplinen, beispielsweise dem Skilanglauf.

Ausdauersport als Therapie

Ernst van Aaken selbst betrieb keine evidenzbasierte Forschung, sondern stützte seine Methode des reinen Ausdauerlaufs ausschließlich auf seine Beobachtungen. Im Rahmen seiner Praxis gründete van Aaken Sportlergruppen für Patienten mit Herzinfarkt, Hypertonie, Arteriosklerose und Krebs. Dabei stellte er fest, dass die meisten durch das regelmäßige Ausdauertraining nach seinen Vorgaben oftmals wieder gesünder und sogar leistungsfähiger als vor ihrer Erkrankung wurden.

Die meisten von Ernst von Aakens Thesen, die auf diesen Beobachtungen fußten, konnten im Laufe der Jahre jedoch durch wissenschaftliche Studien untermauert werden. Dazu gehören:

  • Ausdauertraining schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Ausdauertraining beugt altersbedingtem Diabetes und dem Metabolischen Syndrom vor
  • Das Krebsrisiko für einige Krebsarten sinkt durch Ausdauertraining
  • Das Risiko an einer Depression oder Demenz zu erkranken ist bei Ausdauerathleten geringer
  • Beim Ausdauertraining werden anti-entzündliche Stoffe freigesetzt, die eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben
  • Ausdauertraining kann den Krankheitsfortschritt einer Osteoporose bremsen
  • Ausdauertraining verbessert den Fettstoffwechsel und kann dadurch helfen, schädliches Bauchfett abzubauen