Ernährungstipps vor Marathon oder Halbmarathon

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von Reiner Semmel

Richtige Ernährung und Training gehen bereits in der Vorbereitung für den Marathon Hand in Hand. Aber selbst am entscheidenden Tag kannst du mit einer guten Versorgung mit Nährstoffen noch einiges herausholen – oder mit dem falschen Frühstück deinen Zieleinlauf gefährden.

Im Training reicht es für die meisten Läufer vollkommen aus, wenn sie sich an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung "Kohlenhydrate in der Sporternährung" halten. Das heißt, sich allgemein kohlenhydratreich zu ernähren und nach jedem Lauf ihre Glykogenspeicher wieder aufzufüllen. Um bei einem Wettkampf die bestmögliche Leistung zu erbringen, müssen die Speicher aber nicht nur gut gefüllt, sondern so voll wie möglich sein. Denn: Je mehr Glykogen deiner Muskulatur zur Verfügung steht, desto schneller und auch leichtfüßiger kannst du laufen. Je länger ein Lauf ist, desto wichtiger ist eine gute Vorbereitung der körpereigenen Energiespeicher in den Tagen vor dem Ereignis. Ergänzend dazu spielt auch die Ernährung während des Marathons oder Halbmarathons eine wichtige Rolle.

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Carboloading: Die richtige Ernährung in der Woche vor einem Marathon

Zum Auffüllen der Energiespeicher vor einem Marathon ist die letzte Woche entscheidend. Was das Training angeht, zeichnet sich diese sogenannte Tapering-Phase durch einen reduzierten Umfang aus. Anstatt langer, kräftezehrender Läufe stehen eher kurze, aber intensive Einheiten an. Dadurch befinden sich Muskeln und Energiespeicher am Wettkampftag in Höchstform. Die geringeren Trainingsumfänge reduzieren aber auch den Energieverbrauch. Wer in der letzten Woche weiter isst wie zuvor, füllt deswegen nicht nur seine Glykogenspeicher auf, sondern setzt auch schnell Fett an – zusätzlicher Ballast, der dich später langsamer macht.

Was essen in der Woche vorm Halbmarathon oder Marathon?

Prinzipiell unterscheidet sich die Ernährung in der letzten Woche vor dem Marathon nicht großartig vom Speiseplan in der Vorbereitung. Mit einem Kohlehydratanteil von 55 bis 60 Prozent schaffen es die meisten Sportler mühelos, ihre Glykogenspeicher gut aufzufüllen. In den letzten drei Tagen vor dem Lauf kannst du den Anteil weiter auf bis zu 70 Prozent erhöhen. Gute Kohlenhydratquellen sind neben Nudeln, Reis und Kartoffeln auch Vollkornbrot sowie Obst und energiereiches Gemüse. Sie versorgen dich gleichzeitig mit wertvollen Mineralstoffen und Vitaminen. Denk dabei aber unbedingt daran, den Fettgehalt deines Essens zu senken. Sonst sind nicht nur deine Kohlenhydrat-, sondern auch die Fettspeicher bald gut gefüllt.

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Essen vor dem Laufwettkampf: Die letzten Tage sind entscheidend

Eine der wichtigsten Regeln für die Ernährung kurz vor einem Marathon lautet: Keine Experimente! Meide Speisen, die du nicht kennst oder schon einmal nicht vertragen hast. Zwar sollten Läufer ordentlich Kohlenhydrate zu sich nehmen, das Sättigungsgefühl sollten sie dabei aber nicht außer Acht lassen. Magen und Darm mit Unmengen an Nahrung zu überfordern, ist oft eher kontraproduktiv.

Dementsprechend sind auch die bekannten Pasta-Partys am Vorabend eines Laufes nur in einem gewissen Rahmen sinnvoll. Es spricht zwar nichts gegen Nudeln zum Abendessen – du solltest aber nicht so viel wie möglich in dich reinstopfen. Besser ist es, am Tag vor dem Marathon fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten zu dir zu nehmen. Dabei sollte der Gehalt an Ballaststoffen nicht zu hoch sein. Sie verweilen nämlich lange in Magen und Darm und können beim Lauf am nächsten Tag zu Beschwerden führen. Auch blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder vom Kohl abstammendes Gemüse sollte man eher meiden.

Was isst man am Tag vor einem 10 km Lauf?

Im Gegensatz zum Marathon oder Halbmarathon ist ein 10-Kilometer-Lauf für die körpereigenen Energiespeicher keine große Herausforderung. Wer sich allgemein kohlenhydratreich ernährt, muss am Tag vor dem Wettkampf nichts anders als sonst machen. Auch im nicht optimal gefüllten Zustand erschöpfen sich die Glykogenvorräte auf dieser Distanz nicht. Eine Energiezufuhr während des Laufes in Form von speziellen Sportgetränken oder Energie-Gels ist daher ebenfalls nicht nötig.

Was isst man am besten vor einem Lauf?

Wenn du dich bereits in der Woche vor deinem Wettkampf kohlenhydratreich ernährt hast, musst du dir über das perfekte Frühstück am Marathontag selbst weniger den Kopf zerbrechen. Deine Energiespeicher sind dann nämlich schon gut gefüllt, und die letzte Mahlzeit vor dem Lauf ist dann nur noch das i-Tüpfelchen.

Was essen am Morgen vor dem Marathon?

Ein gutes Marathonfrühstück muss folgende Punkte erfüllen:

  • kohlenhydratreich: ungefähr 200 Gramm Kohlenhydrate dürfen es sein
  • fettarm: damit es nicht zu schwer im Magen liegt
  • ballaststoffarm: zur schnellen und leichten Verdauung

In Frage kommen dafür zum Beispiel helle Brötchen und Brot, vor allem Toastbrot, Bananen, Pasta, Milchreis oder Porridge mit reichlich Getreide. Auch wenn ballaststoffarme Kohlenhydratquellen in einer gesunden Sportlerernährung wenig zu suchen haben: Am Morgen vor dem Marathon sind sie ausnahmsweise erlaubt. Die spätere Höchstleistung gleicht entstehende Blutzuckerschwankungen im Nu wieder aus.

Auch wer normalerweise nicht frühstückt, sollte sich vor einem größeren Lauf dazu durchringen, etwas zu sich zu nehmen. Im Notfall tun es auch Smoothies, ein Milchshake mit Obst oder Sportgetränke. Dabei solltest du darauf achten, nicht nur Zucker, sondern auch komplexe Kohlenhydrate zu dir zu nehmen. So hält das Frühstück länger vor.

Der richtige Zeitpunkt zum Frühstücken liegt etwa drei bis vier Stunden vor dem Start. So kann der Magen die aufgenommene Nahrung noch gut verarbeiten. Bei einem Start am Morgen solltest du also frühzeitig aufstehen, um dich vorzubereiten.

Was frühstücke ich vor einem Halbmarathon?

Das Frühstück vor einem Halbmarathon unterscheidet sich nicht wesentlich von einem Marathonfrühstück. Du verbrauchst auf der kürzeren Distanz zwar weniger Energie, gut gefüllte Kohlenhydratspeicher schaden trotzdem nicht. Gerade wenn du morgens nicht gerne frühstückst oder vor dem Lauf nur wenig Zeit hast, kann die Mahlzeit aber auch kleiner als oben genannt ausfallen. Mindestens 100 Gramm Kohlenhydrate sollten es aber schon sein.

Was soll man vor einem Halbmarathon oder Marathon essen?

Bei Läufen, die morgens starten, ist das Frühstück die letzte Mahlzeit vor dem Startschuss und versorgt dich mit der nötigen Energie. Komplizierter wird es, wenn du erst mittags oder sogar nachmittags startest. Wenn zwischen Ende deines Frühstücks und Beginn des Laufes mehr als drei oder vier Stunden liegen, solltest du kurz vorher noch einen kleinen Snack zu dir nehmen. Das kann eine reife Banane, ein Rosinenbrötchen, ein Milchshake oder ein Smoothie sein – Hauptsache leicht verdaulich.

Die richtige Versorgung während des Marathons

Einen 10-Kilometer-Lauf oder einen Halbmarathon kannst du mit ideal gefüllten Glykogenspeichern gut bewältigen. Bei einem Marathon sieht das unter Umständen anders aus. Genaue Kalkulationen sind hier schwierig, weil sich die Größe der Glykogenspeicher in der Muskulatur nicht genau bestimmen lässt. Außerdem schwanken ihre Kapazitäten von Mensch zu Mensch. Im Zweifelsfall ist es besser, anzunehmen, dass die Speicher nicht groß genug sind. Sind sie erst einmal leer, kommt nämlich der Mann mit dem Hammer, und das Weiterlaufen wird – trotz gedrosselter Geschwindigkeit – zur echten Qual.

Indem du auch während des Laufens Kohlenhydrate zu dir nimmst, verlangsamst du die Entleerung deiner körpereigenen Speicher. So lässt sich ihr Inhalt auf die gesamte Renndistanz strecken. Am leichtesten geht das mit Hilfe spezieller Sportgetränke. Sie enthalten sowohl Fructose als auch Glucose. Beide werden über verschiedene Transportproteine in die Muskelzellen aufgenommen. Die Kombination beider Zucker sorgt daher dafür, dass dir mehr Energie zur Verfügung steht. Zudem gleichst du mit dem Trinken Flüssigkeits- und Elektrolytverluste aus.

Aber Vorsicht: Auch bei Sportgetränken und der Kohlenhydrataufnahme während eines Marathons gilt: Mehr ist nicht immer besser. Zu viel Zucker bindet das Wasser im Magen, und du dehydrierst, obwohl du eigentlich genug getrunken hast. Eine gute Menge an Kohlenhydraten liegt zwischen 30 und 60 Gramm pro Stunde (Coggan & Coyle, 1991). Um gleichzeitig genug zu trinken, ist ein Getränk mit einem Kohlenhydratanteil von etwa sechs Prozent (American Dietetic Association, 2000) ideal. Das entspricht etwa einer gängigen Apfel- oder Fruchtsaftschorle. Mehr rund um das richtige Trinken erfährst du auch hier oder in dieser Broschüre des Deutschen Olympischen Sportbunds.

Quellen

Bildnachweis

  • beats_ - stock.adobe.com

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