Chondroprotektiva – Knorpelschutzmittel

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von Reiner Semmel

Chondroprotektiva sollen das Knorpelgewebe im Gelenk schützen und Arthrose vorbeugen. Ihre Wirksamkeit ist aber umstritten.

Inhalt

1. Knorpel
2. Chondroprotektiva

Knorpel

Der Knorpel ist ein wichtiger Bestandteil der Gelenkkapsel. Es handelt sich dabei um besondere Zellen des Bindegewebes, die als Stoßdämpfer im Gelenk dienen und die dortige Reibung minimieren. Sie schützen dadurch Gelenkkopf und Gelenkpfanne vor der Abnutzung. Diese Wirkung beruht vor allem auf der hohen Wasserspeicherfähigkeit und der Verteilung von Belastungen durch Umverteilungen des Wassers im Knorpel.

Bestandteile des Knorpels

Knorpelgewebe besteht einerseits aus sogenannten Chondronen. Andererseits spielt das Bindegewebsprotein Kollagen eine wichtige Rolle. Ebenfalls von großer Bedeutung sind Hyaluronsäure und andere Glykosaminoglykane. Diese aus mehreren Disacchariden und Aminosäuren aufgebauten Moleküle können sehr viel Wasser speichern und sind überaus elastisch.

Schwächen und Anfälligkeit

Knorpelgewebe verfügt weder über eine eigene Blutversorgung noch über Nervenenden. Verletzungen am Knorpelgewebe können daher nicht wahrgenommen werden. Die Versorgung des Knorpels mit Nährstoffen und Flüssigkeit erfolgt ausschließlich über die umliegende Gelenksflüssigkeit. Dafür sind sowohl regelmäßige Bewegung als auch Ruhephasen wichtig. Bei zu starker Beanspruchung kann sich der Knorpel nicht genug erholen und nutzt sich übermäßig ab. Bei zu wenig Bewegung stirbt das Knorpelgewebe aufgrund mangelnder Versorgung mit Nährstoffen ab.

Ist das Knorpelgewebe zu dünn oder sogar ganz degeneriert, reiben die Gelenkflächen direkt aufeinander. Da diese mit Nerven durchzogen sind, äußert sich dies in Form von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Das Krankheitsbild wird als Arthrose bezeichnet.

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Chondroprotektiva

Chondroprotektiva sollen den Knorpel schützen und degenerativen Vorgängen vorbeugen. Im Sport kommen sie vor allem zum Einsatz, um die Regeneration des Knorpels zu unterstützen. Dadurch sollen hohe Belastungsumfänge und Trainingsvolumen ohne eine zu starke Abnutzung und Knorpelverletzungen ermöglicht werden.

Wirkstoffe

Zu den potentiellen Chondroprotektiva zählen vor allem die natürlichen Bestandteile des Knorpelgewebes:

  • Glucosaminoglykane
  • Chondroitinsulfat
  • Glucosaminsulfat
  • Hyaluronsäure
  • Kollagen-Hydrolysat
  • Gelatine

Wirkmechanismen

Chondroprotektiva können einerseits in Form von Kapseln oral eingenommen werden. Da es sich bei den einzelnen Molekülen um vergleichsweise kleine Bausteine handelt, kann sie der Darm gut resorbieren. Natürlich kommt aber immer nur ein kleiner Teil davon auch beim Knorpel selbst an. Viele Chondroprotektiva sind schließlich auch wichtiger Bestandteil anderer bindegewebshaltiger Strukturen.

Besonders effektiv ist das Einspritzen von Chondroprotektiva direkt in das betroffene Gelenk. Da es sich bei dieser Art der Therapie aber um einen minimalinvasiven Eingriff handelt, sollte sie nicht rein vorbeugend angewendet werden. Sie ist vor allem dann indiziert, wenn bereits Knorpelschäden festgestellt wurden.

Wirksamkeit

Die Wirksamkeit von Chondroprotektiva ist umstritten. Gallagher et al. fanden 2015 in einem groß angelegten Review vor allem Belege für die Wirksamkeit von Chondroitin- und Glukosaminsulfat für orale Tagesdosen zwischen 500 und 1.500 mg.

Zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Injektionen ins Gelenk gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Wahrscheinlich ist die Therapie mit besonders langkettigen Hyaluronsäure-Molekülen wesentlich effektiver als die mit kurzkettigen. Auch andere Wissenschaftler halten Hyaluronsäure für eine wirksame Möglichkeit, um den Knorpel zu schützen (Zhang et al., 2010). Die Injektionen sind jedoch aufwendig und kommen daher vor allem als Therapie bei bereits bestehender oder beginnender Arthrose zum Einsatz.

Literatur

  • Dr-Gumpert.de Chondroprotektiva, www.dr-gumpert.de/html/chondroprotektiva.html
  • Gallagher, B. et al. (2015): Chondroprotection and the prevention of osteoarthritis progression of the knee, Am J Sports Med, 43(3): 734–744
  • Rohen, J. W., Lütjen-Drecoll, E. (2001): Funktionelle Anatomie des Menschen, Lehrbuch der makroskopischen Anatomie nach funktionellen Gesichtspunkten, 10. Aufl, Stuttgart: Schattauer
  • Zhang, W., Nuki, G., Moskowitz, R. W., Abramson, S., Altman, R. D., Arden, N. K. et al. (2010): OARSI recommendations for the management of hip and knee osteoarthritis: part III: Changes in evidence following systematic cumulative update of research published through January 2009, in: Osteoarthritis and cartilage 18 (4), S. 476–499

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Bildnachweis

  • Jo Panuwat D - stock.adobe.com

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